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22.02.22

Hummerpasta und Puligny-Montrachet von Leflaive

Die Liaison von Speisen und Wein

Apero

Die Liaison von Speisen und Wein wird praktiziert seit es Wein gibt. Allerdings war diese Partnerschaft lange Zeit eher ein intensives Intermezzo als eine harmonische Beziehung. Die Vermählung wurde zwar leidenschaftlich und ausdauernd gepflegt, aber wenig sinnvoll praktiziert. Diese Phase zog sich über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende, hinweg.

1. Gang

Ein wenig strukturierter wurde das Ganze erst in den europäischen Herrenhäusern oder zu Hofe Ende des 18. Jahrhunderts zelebriert. Dort wurden regelmäßig ausladende Menüs kredenzt, zu denen verschiedene Weine gereicht werden mussten. Während es der Dame des Hauses oblag, in Absprache mit Koch und Hausdame, das Menü zu definieren, war die Auswahl der Weine Aufgabe des Buttlers. Diese wurde, je nach Anlass und Gästekreis, von ihm mit viel Herzblut getätigt, wie es bei Mister Carson in der britischen Serie Downton Abbey schön zu sehen ist. Aus dieser Zeit stammen einige Regeln der Menü- und Weinfolge, welche größtenteils sogar noch bis heute Bestand haben. Diese lauten:
• trockene Schaumweine oder weiße Südweine werden vor dem Essen als Aperitif gereicht
• bis zum Hauptgang gilt: kalte Speisen vor warmen, danach geht es umgekehrt weiter
• Weißweine vor Rotweinen
• junge Weine vor alten Weinen
• neutrale vor aromatischen Gewächsen
• leichte Weine vor schweren, gehaltvollen Weinen
• trockene vor süßen Weinen
• Likörweine und Eaux-de-vie werden nach dem Essen serviert
Eine präzise Abstimmung zwischen Gericht und Wein gab es aber nicht wirklich. Der hedonistische Gedanke übertraf den der Geschmackslehre immer noch bei weitem.

Zwischengang

Einen dynamischeren Wandel zur individuellen Abstimmung von Speise und Wein, oder andersrum, kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts wirklich auf. Hintergrund ist, dass in dieser Epoche viele Haus- und Hof-Köche arbeitslos wurden. Folglich gingen einige in teure Hotels, eröffneten eigene Wirtshäuser oder feine Restaurants. Dadurch entwickelte sich in Frankreich die Grand Cuisine, die erst zur Haute Cuisine und später zur Nouvelle Cuisine verfeinerte wurde. Durch die veränderte Situation, weg vom Tafeln hin zum Speisen, musste auch das Angebot angepasst werden. Die Restaurants legten Weinkeller an und begannen, den Gästen die edlen Trouvaillen so anzubieten.
In diesem Zusammenhang entwickelte sich die Notwendigkeit eines Fachmanns in der Restaurantbrigade, welcher sich mit der Materie Wein auskannte und die Gäste beraten konnte. Die Geburtsstunde des modernen Sommeliers wie wir ihn heute kennen. 
Eine ähnliche Tätigkeit und diverse Begriffe wurden schon seit der Antike verwendet und bezeichneten den sogenannten „Mundschenk“. Die Pflege einer Weinkarte und aktive Beratung der Gäste kamen als wesentlicher Bestandteil aber erst im Paris des 19. Jahrhunderts dazu. Dort entwickelten sich dann auch die ersten klassischen Wein-Speisen-Paarungen, von denen einige sogar bis heute äußerst gelungen sind. Etwa wie rohe Austern mit einem Muscadet oder Hummer mit Montrachet.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich immer mehr harmonische Paarungen. Diese „klassischen Kombinationen“ wurden den zukünftigen Weinkellnern während ihrer Ausbildung als Rüstzeug an die Hand gegeben. Oft wurde den Jungsommeliers allerdings gar nicht erklärt, warum der Wein x zum Gericht y passt. Als ab den 1980iger Jahren Küchenstile sich veränderten, mussten sich aber auch die Sommeliers verändern. Denn plötzlich gab es Asia- und Fusionküche, später dann noch Molekular und vieles mehr. Dazu kam, speziell im deutschsprachigen Raum, eine gestiegene Nachfrage zur glasweisen Weinbegleitung zu den oft mehrgängigen Menüs ab den 2000er Jahren. Spätestens jetzt musste man sich mit dem Thema Food and Winepairing intensiver beschäftigen, so wie wir das in diesem Artikel tun.

Hauptgang

Also, gehen wir der Sache mal auf den Grund und schauen was, wie und warum zusammenpasst. Für uns ist gutes Essen ohne den passenden Wein undenkbar geworden und selbst einfachste Mahlzeiten werden durch ein gutes Glas Wein zum Festmahl. Bei mehrgängigen Menüs bedarf es da natürlich mehr Vorbereitung als bei einem Teller Pasta Bolognese. In jedem Fall schmeckt ein Wein für sich alleine genossen immer anders, als in Verbindung mit einer Speise. In einigen Fällen, schmeckt uns sogar ein Wein zu einem bestimmten Gericht gut, der uns allein getrunken gar nicht gefallen hat.
Das zeigt, dass Wein und Essen sich gegenseitig beeinflussen. Die sensorisch spürbaren Veränderungen sind die Folge von wechselseitigen Reaktionen der Geschmackskomponenten. Diese erste Übersicht wird Ihnen sicherlich dabei helfen den gegenseitigen Einfluss besser zu verstehen. Im Supplement werde ich Ihnen das noch genauer erläutern.
Intensivieren sich in der Wahrnehmung unpassend oder verdecken sich
  • süß & süß süß & salzig
  • salzig & salzig süß & bitter
  • salzig & sauer süß & sauer
  • sauer & sauer salzig & bitter
  • sauer & bitter
  • bitter & bitter
Daraus ergeben sich aber noch keine Go‘s oder No go‘s in Sachen Kombination, sondern zeigen nur auf was passiert, wenn man das eine mit dem anderen verbindet. Um erfolgreich Wein und Speise zur Symbiose zu bringen, sind einige Regeln zu beachten. Einige sind simpel und logisch, andere bedürfen viel Erfahrung. Eine einfache Methode habe ich Ihnen schon in meinem Artikel Vino & Dolce Vita etwas erläutert, den Aspekt der regionalen Beziehung. Beginnen wir daher diesem Punkt.

Stay local!

Es klingt so einfach, und das ist es auch. Die Weine einer Landschaft passen sehr oft zu den typischen Gerichten der Region. Das liegt auch daran, dass die Rebe über das Wurzelwerk mit der Region tief verwachsen ist und dem Wein so einen regionalen Touch in die Wiege legt. Speziell bei Käse ist mir das sehr bewusst geworden. Comté und Vin Jaune aus dem Jura, Ziegenkäse von der Loire mit dortigem Chenin blanc oder ein Pecorino mit einem Glas Chianti sind nur drei harmonische Paarungen, um das zu demonstrieren. Bei traditionellen Gerichten ist es oft genauso. Ein Boeuf bourguignon und ein Pinot Noir aus dem Burgund sind ebenso ein perfektes Match, wie ein Bistecca fiorentina und toskanischer Sangiovese. Hat man zu gewissen Gerichten also eine Assoziation zu einem bestimmten Gebiet, kann ein Wein dieser Region ein guter Begleiter dazu sein. Das zeigen Ihnen auch die Lieblingsrezepte unser Winzer mit den dazugehörigen Weinempfehlungen.

Wechselspiel der Aromen

Ein wesentlicher Punkt bei der Speisen-Weinkombination sind die Aromen. Wenn man die Aromatik von dem Essen und der zur Auswahl stehenden Weine kennt, kann man diese harmonisch, oder auch spannend, zusammenführen. Dabei gibt es zwei Ansatzpunkte.
  1. Übereinstimmende Aromen kombinieren
In diesem Fall wird die Harmonie durch einen aromatischen Gleichklang erzeugt. So kann man einen kräftigen, schmelzigen Chardonnay, welcher im Barriquefass ausgebaut wurde, gut mit einem Steinbutt in beurre blanc reichen. Durch den Ausbau um Holzfass, und der damit oft verbundenen malolaktischen Gärung, spiegelt der Weine die buttrigen Noten wider.
Oder man greift zu einem cool Climate Cabernet Sauvignon aus Norditalien zu einem Fleischgericht mit Paprikagemüse. Rotweine aus dieser Rebsorte zeigen oft Noten von roter Paprika, wenn Sie aus kühleren Gebieten oder Jahrgängen kommen. Auch ein kleiner Schluck des zur Speise gewählten Weins in die Soße kann die Liaison intensivieren.
2. Gegensätzliche Aromen zusammenbringen
Bei der Kombination konträrer Aromen benötigt man viel Feingefühl und Sachverstand. Die Resultate können aber wahre Geschmacksexplosionen ergeben. Bei der Vermählung von gegensätzlichen oder verschiedenen Aromen können sehr effektvolle Paarungen entstehen, die eine ganz individuelle Aromatik ergeben. Mit dieser Methode kann man auch Schwächen bei einer Seite korrigieren oder harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Aber Vorsicht, Sie begeben sich dabei auf sehr dünnes Eis! Kleine Fehltritte können auch zu einem geschmacklichen Sturzflug führen.
Anders als bei der ersten Variante spielt die Proportion der einzelnen Bestandteile des Gerichts eine essentielle Rolle. Im Idealfall mischt man sich diese in dem Verhältnis wie sie auf dem Teller zu finden sind, auf die Gabel. Wenn man die Speise im Mund hat, nimmt man einen Schluck Wein dazu. Was dann im Mund passiert, soll vor allem Ihnen schmecken oder Sie begeistern. Durch die Verbindung von Nase und Mund im Rachenraum entsteht der sogenannte Rückgeruch. Das heißt, die in der Nase wahrgenommen Aromen treffen dort auf die im Mund und verbinden sich.
Eine gelungene Variante zu der Methode ist ein gebratener Rehrücken mit Waldpilzen und einem Pinot Noir. Die erdig-würzige, ja herbstliche Aromatik des Gerichts in Verbindung mit der Rotfruchtigkeit des Weines schafft eine spannende Kombination.

Yin & Yang

Aber nicht nur in die aromatische Verbindung bestimmt ob ein Pairing stimmig ist. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Proportionen der Geschmackskomponenten. Das chinesische Yin und Yang steht für Harmonie. Zwei entgegengesetzte Kräfte ziehen sich an und sind unzertrennlich. Keine davon ist der anderen überlegen. Sie stehen im Gleichgewicht. Ähnlich wie bei der Vermählung gegensätzlicher Aromen verhält es sich bei der Kombination von Geschmackskomponenten. So gleicht eine gelungene Verbindung von Speisen und Wein einer harmonischen Ehe. Jeder Teil der Beziehung bringt seine Stärken ein und gleicht so die Schwächen des Anderen aus. Wie schon oben aufgezeigt, erzeugt der Zusammenprall zweier Geschmackskomponenten eine intensivierende oder verdeckende Reaktion.
Das bedeutet, dass ein säurehaltiges Gericht, wie ein Salatteller mit einem Essig-Öl Dressing, sich nicht mit einem säurehaltigen Wein wie zum Beispiel einem trockenen Moselriesling verträgt. Aber, gehen wir doch am besten einige Dinge durch und beleuchten diese näher.
Alkohol
Alkohol intensiviert den Eindruck der Süße, verstärkt die Wirkung von Gewürzen und verhilft einer guten Verdauung. Ein alkoholarmer Wein lässt die Säure stärker hervortreten. Trockene Weine mit hohem Alkoholgehalt wirken milder als trockene mit niedrigem. Ein hoher Alkoholanteil lässt die Tannine weicher und runder erscheinen.
Bitterstoffe
Bitterstoffe und Gerbstoffe verringern die Süße im Gericht und helfen bei der Fettverdauung. Röstnoten, in der Speise durch scharfes Anbraten oder im Wein durch Barriqueausbau, harmonisieren die Süße und mäßigen die Säure. Sie sind bekömmlicher in Verbindung mit gerbstoffhaltigen und alkoholreichen Weinen. Bitterstoffe werden von unserer Sensorik langsamer wahrgenommen, bleiben aber umso länger präsent.
Fette
In dem Fall zählt: Viel hilft viel. Denn stark fetthaltige Speisen harmonieren besser mit Weinen, die reich an Gerbstoffen, Säure und Alkohol sind. Die drei genannten Weinkomponenten regen den Appetit und die Verdauung besonders an.
Kräftig gewürzte Speisen
Bei diesen Speisen, wie zum Beispiel Currys, Pfeffer oder Chillies, ist Vorsicht geboten. Sie schmecken in Verbindung mit alkoholreichen Weinen noch kräftiger. Von Weinen mit viel Säure sollte man auch lieber die Finger lassen, wenn man ein scharfes Gericht zu sich nimmt. Wählen Sie dazu milde Weine mit feiner Frucht und moderatem Alkohol.
Kohlensäure
Kohlensäure lässt das Bouquet des Weines intensiver erscheinen, sie wirkt wie ein Katalysator. Im Wein, vor allem im Schaumwein und Perlwein verdeckt sie zudem die Empfindung der Süße. Deshalb wirken diese Weine immer trockener, als sie tatsächlich sind. Aus diesem Grund sind Schaumweine der Geschmacksrichtung extra trocken bis Ultra brut besser zum Essen geeignet. Ausnahme gilt natürlich für das Dessert. Hier ist ein Asti Spumante zu Mascarponecreme mit Erdbeeren ein wahrer Hochgenuss.
Salz
Dieses Mineral ist ein echter Geschmacksverstärker. Salz im Essen lässt die Frucht im Wein hervortreten. Als Gegenpol hält die Frucht im Wein die salzigen Noten der Speise in Grenzen. Wenn man beides mit Fingerspitzengefühl zusammenbringt, sprich weder zu viel Salz benutzt noch eine fette Fruchtbombe ins Glas bringt, wird aus dieser Vereinigung eine echte Liebesbeziehung.
Säure
Säure unterstützt die Süße und verdeckt vorübergehend auch Bitterkeit. In Verbindung mit stark säurehaltigen Weinen werden säurehaltige Speisen unbekömmlich und können Sodbrennen verursachen. Wie bei dem obigen Beispiel des Salates in Verbindung mit einem Moselriesling bereits dargestellt. Wohingegen fetthaltige Speisen durch Weine mit hoher Säure verdaulicher sind.
Süße
Süße im Wein verstärkt die Aromen im Gericht und mildert Säure, Schärfe und Bitterstoffe in der Speise. Säure im Wein hingegen verstärkt die Schärfe und die Würze des Gerichts. Außerdem verstärkt es die Säure und kann die Süße der Speise mindern. Dazu kommt, dass sie Fett besser verdaulich macht.

Die Verbindung von Speise und Wein verlangt, dass man sich über die Haupteigenschaften von Wein und Essen klar ist. Sprich den Gehalt an Säure, Süße, Alkohol und Gerbstoffen kennt. Wenn Sie zu Hause kochen, wissen Sie natürlich genau, wie das fertige Gericht sein wird, oder haben zumindest eine Vorstellung davon. Die Kombination mit einem Ihnen bekannten Wein ist daher gut lösbar.
Speisen Sie außer Haus, im Restaurant oder bei Freunden, ist die Herausforderung einer gelungen Speise-Getränkepaarung größer. Speziell in einem Restaurant, welches für seine innovative Küche bekannt ist, fällt das oft sehr schwer. Hier lohnt es sich in jedem Fall, ein konsultierendes Gespräch mit dem Sommelier oder dem Maître zu führen. Denn Koch und Sommelier kennen einander gut. In vielen Restaurants kreieren sie die Gerichte und Menüs zusammen, stimmen die Weinbegleitung oder das aktuelle Portfolio darauf gemeinsam ab. Für den Gast ist die proportionale Verteilung, die Viskosität oder die Garmethode aus der Bezeichnung in der Speisekarte ja oft auch gar nicht ersichtlich. Unter einem Menükartentext, wie zum Beispiel Makrele | Apfel | Staudensellerie, hat jeder Leser wahrscheinlich eine eigene Vorstellung, was da auf dem Teller ist. Des Weiteren kann es sein, dass sich in dem Gericht einige Problemfälle befinden, welche die Kombination beeinflussen können.

Problemfälle

Denn einige Lebensmittel stellen eine echte Challenge für Wein dar. Es sind deren speziellen Säuren oder Bitterstoffe, die es für viele Weine schwierig macht, sich harmonisch dazuzugesellen. Hier die Liste der kniffligsten unter ihnen, in alphabethischer Rheinfolge:
Artischocken
Der hohe Anteil an Bitterstoffen macht den Weinen richtig zu schaffen. Am besten schlagen sich dazu alkoholreiche, säurearme Weißweine aus dem Barrique.
Essig
Essig ist ein echter Weinkiller! Gehen Sie daher sparsam um und verwenden lieber milde Sorten. Alternativ zu Essig kann man bei einigen Gerichten auch Zitronensaft verwenden, was wesentlich weinverträglicher ist. Zu Speisen mit essigsauren Marinaden empfehle ich statt Wein ein gutes Bier.
Rettich
Wein verträgt die Kombination aus ätherischen Ölen, Bitterstoffen und Säure, welche der Rettich vereint, nur in homöopathischen Mengen. Das gleiche gilt für Radieschen, Meerrettich und rohe Zwiebeln. Zu ihnen passt ein frisch gezapftes Pils oft besser.
Spinat
Gekocht weniger schlimm als roh. Denn die Säure und die etwas versteckten Bitterstoffe des grünen Salats machen es dem Wein nicht leicht. Säurearme, alkohol- und extraktreiche Weißweine kommen am besten mit ihm zurecht.
Tomaten
Das beliebte rote Gemüse ist, wenn es reif ist, an sich gar nicht so schwierig. Aber, genau das ist der Punkt. In den meisten Läden bekommt man die Tomaten nicht wirklich ausgereift. In dem Zustand ist der hohe Säuregehalt für einige Weine schwer zu managen. Speziell für leichte Weißweine mit hoher Säure ist die Hürde definitiv zu hoch. Gerichte mit einem hohen Tomatenanteil wie Pasta, Pizza oder Bauernsalat vertragen sich mit einem etwas „rustikalem“ Rotwein sehr gut. Ein roter Sizilianer oder ein Primitivo passen gut zu solchen Speisen.
Südfrüchte
Fast jedes Obst verändert den Wein spürbar. Entweder aufgrund der Fruchtsüße oder der Säuren. Südfrüchte, mit ihren oft intensiven Säuren und kräftiger Süße, sind eine besondere Herausforderung. Der Wein sollte möglichst eine niedrige Säure und eine Spur mehr Restzucker haben. Gegartes Obst ist meist unproblematisch.
Eis
Gelati, Parfait oder reine Eisdesserts stellen Wein vor große Aufgaben. Besonders heftig und nahezu unmöglich wird eine Kombination mit Sahneeis. Da passt ein Cremelikör schon wesentlich besser dazu. Wenn Eis ein begleitendes Element eines Desserts ist, stellt sich die Paarung mit Wein weniger problematisch dar.
Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht!
Bei dem Thema Speisen und Wein wird man zwangsläufig mit einem ganzen Schwall an Vorurteilen und Halbweisheiten konfrontiert. Ein Blick auf das Rückenetikett einiger Discounterweine reicht schon um das zu verdeutlichen. Da passt der italienische Rosso di Irgendwas auf magische Weise zu Pizza, Pasta, Fleisch und Käse. Das dem so sein kann, ist natürlich nahezu unmöglich. Oft wird auch einfach nach dem Prinzip „was immer funktioniert hat, wird immer funktionieren“ praktiziert. Zum Steak einen Shiraz, Weißwein zu Fisch!
Auch Pauschalisierungen findet man häufig. Da heißt es, dass sich zur scharfen, asiatischen Küche restsüße Weine ganz besonders gut eignen. Das ist schon deshalb schwierig, weil Asien der größte Kontinent dieser Erde und seine Kulinarik ebenso unterschiedlich wie vielfältig ist. Wer einmal richtig Thai gegessen hat, wird feststellen müssen, dass die Weinauswahl ziemlich unwichtig wird, wenn es ums nackte Überleben geht. Ein gut gekühltes Bier oder ein Glas kalte Milch sind da weitaus besser zur kurzfristigen Linderung der Schmerzen.
Naja, in vielen Fällen kann man mit den 0815 Regeln einigermaßen gut fahren. Aber, wenn der Bauer immer nur das isst, was er kennt, entgehen ihm viele glückliche Geschmacksmomente.
Um aber wirklich gelungene Paarungen zu kreieren, ist das Obige einfach zu kurz gedacht. Der Einfluss der Garmethode wird dabei nämlich zu oft vergessen. Wir pochieren, kochen, braten, schmoren oder grillen. Ob Fisch, Fleisch oder Gemüse. Die Zubereitungsart beeinflusst maßgeblich den Geschmack eines Produkts und damit auch das Zusammenspiel mit einem Wein. So kann zu einem pochierten Rinderfilet ein Orangewein, das ist ein maischevergorener Weißwein, eine tolle Begleitung sein. Auch ein roter Beaujolais zu einem gegrillten Thunfisch ist ein sensationelles Erlebnis. Denn es passt von der Viskosität, den Aromen und der Konsistenz super zueinander.
Denn viele gute Paarung sind möglich, wenn man sich einfach die Textur des Gerichtes vorstellt und dazu einen gleichwertigen Wein nimmt. Schmorgerichte haben meist eine konzentrierte Sauce mit einem intensiven Fleischgeschmack. Das Fleisch, das oft am Knochen gegart wird und bestenfalls von selbigem fast alleine abfällt, sollte von einer saftig-mürben Textur sein sollte. Da sagt einem schon der gesunde kulinarische Verstand, dass zu solch dichtem Geschmack nur ein entsprechend ausladender Rotwein passen kann.

Supplement

Wie zu Beginn des Hauptgangs angekündigt, serviere ich Ihnen als Supplement, auf gut Deutsch Nachschlag, eine zusammenfassende Aufstellung von den Grundregeln der Harmonielehre.
1. Säure und Säure
Säure in Getränken und Speisen summieren sich auf aggressive, metallisch-bittere Art.
2. Säure und Fett
Weinsäure löst ölige, fettreiche Speisen und Substanzen auf.
3. Säure und Tannin
Säuren in Speisen (z.B. Essig oder Zitronensaft) lassen Gerbstoffe bitterer erscheinen.
4. Säure + Alkohol und Gewürze
Bewirkt beides eine explosive Verschärfung der Gewürze
5. Säure und Süße
Fruchtsäuren von Obst verleihen restsüßen und Altweinen eine Frischekick. Rohes Obst, besonders Südfrüchte, sind in ihrer Säure allerdings zu aggressiv. Am besten ist es daher, wenn das Obst gegart ist.
6. Säure und Salz
Ist wie Säure und Säure, es summiert sich.
7. Salz und Süße
Gleichen sich nicht ganz aus, geben einander allerdings mehr Subtilität.
8. Bitterstoffe und Süße
Eine ausgleichende Liaison, die erstaunlich harmonisch ist.
9. Bitterstoffe und Säure
Eine ähnliche ungünstige Situation wie Säure und Tannin
10. Tannin und Fett
Gerbstoffe im Wein und Fett neutralisieren sich einander weitestgehend.
11. Süße und Süße
Restsüße im Wein und Süße in der Speise harmonisieren sehr gut. Sie können, je nach Intensität einander mindern oder sich in einigen Fällen verstärken.
12. Bitterstoffe und Gerbstoffe
Bitterstoffe in Speisen, wie in Chicorée oder Radicchio, werden durch jugendliche Gerbstoffe unangenehm verstärkt. Ausnahme ist die bittere Note von Nüssen, wie Walnuss oder Mandel, diese minimieren Tannine.
13. Gerbstoffe und Röststoffe
Der herbe, adstringierende Geschmack junger Rotweine wird durch Röststoffe in Gebratenem und Gegrillten ausgeglichen. Auch das Protein von Fleisch und deren stickstoffhaltige Verbindungen bremsen die Tannine.
14. Tannine und Süße
Unharmonisch, da die Tannine bitterer wirken und die Süße verpufft.
15. Tannine und Salz
Eine sehr unharmonische Kombi, geschmackliches Karussell.
16. Räuchernote und Säure
Nur Weine mit reifer Säure können hier bestehen. Ein Vorteil ist, wenn der Wein im Holzfass ausgebaut werden.

Das alles zu verstehen, zu wissen und erfolgreich zu praktizieren ist zugegebenermaßen nicht einfach und bedarf viel Übung. Der flapsige Spruch „Probieren geht über Studieren“ bleibt auch bei der Vermählung von Speise und Wein daher einer der vorzüglichsten Ratschläge.

Nachtisch

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Vermählung von Speisen und Wein ist die Qualität der Produkte. Speziell in Deutschland neigen wir ja dazu lieber in die „Hardware“ statt in die „Software“ zu investieren. Für ein Auto, oder einen Gasgrill, einer renommierten Marke geben wir lieber Geld aus, als für hochwertige Lebensmittel. Daher mein Rat, sowohl beim Wein als auch bei den Zutaten nicht zu sparen. Und bitte kaufen und kochen Sie saisonal und regional. Speziell in unserer heutigen Zeit ist es für viele selbstverständlich geworden, jederzeit alles zu bekommen. Sei es Spargel im Winter oder Erdbeeren im Herbst. Man muss auch nicht immer Chinesisch lunchen gehen oder sich die Fließbandsushi beim pseudo Japaner besorgen. Gehen Sie lieber zum Oberkasseler Italiener auf der Leostraße oder der Luegallee, denn hier wird saisonal und frisch gekocht und den dazu passenden Wein dazu bekommen Sie dort auch empfohlen.
Sollte Ihnen das Ganze mit Speisen und Weinkombination zu kompliziert sein, ein letzter Tipp.
Machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer und gehen Sie es notfalls einfach hedonistisch an. Trinken Sie einen Wein, der Ihnen schmeckt zu Gerichten, die Ihnen munden, dann machen Sie für sich nichts verkehrt. Ob es dann anderen auch gefällt, ist erstmal egal! In letzter Instanz geht ja auch nichts über einen gepflegten Rausch vom Lieblingsnektar in guter Gesellschaft. Und, Gott sei Dank sind Geschmäcker ja verschieden, sonst gebe es ja überall das Gleiche. Umso besser, dass für jeden Geschmack der richtige Wein bei uns im Saittavini Online Shop vorrätig ist.
Wir wünschen Ihnen Bon Appetito!
Ihr Saittavini-Team